Das Mädchen und die Rose

Das Mädchen und die Rose

April 20, 2020 Aktuelles 0

Es war einmal ein junges Mädchen im Alter von 12 Jahren, das lebte mit seiner Familie erst seit kurzer Zeit in einer kleinen Stadt. Das Mädchen hieß Lena und es fühlte sich einsam, hilflos und zerbrechlich, denn all seine Freunde waren nun weit weg. Die Eltern sahen wohl die Traurigkeit ihrer Tochter und bemühten sich redlich ihr zu helfen, über die Trennung hinweg zu kommen. Gemeinsam suchten sie neue Freunde, knüpften Kontakte und hielten auch die Verbindung zu den alten Freunden per Telefon und Brief aufrecht. Überhaupt verbrachten sie viel Zeit mit Lena und erkundeten zusammen die neue Umgebung. Nach einigen Monaten schien die Traurigkeit aus den Augen des Kindes zu verschwinden. Es lachte auch wieder öfter, so wie früher.

Doch immer wenn der Tag zur Neige ging und die Nacht hereinbrach, verspürte das Mädchen wie es von einer Angst überwältigt wurde, die es nicht einschlafen ließ. Es waren Gedanken wie Dämonen, die in ihrem Kopf kreisten und sie hilflos ans Bett fesselten. Sie war nicht in der Lage zu schreien oder aufzustehen und wegzurennen. So sehr sie sich auch bemühte einzuschlafen, es gelang ihr jedesmal erst in der zweiten Nachthälfte und sie stieg am Morgen völlig erschöpft aus ihrem Bett.

Eines Nachts wälzte sich Lena wieder schlaflos hin und her. Durch das geöffnete Fenster betrachtete sie eher nebenbei den Sternenhimmel. Sie sah nicht die Schönheit der funkelnden Sterne, die da oben am Himmelszelt eine bezaubernde Lichterkette gespannt hatten. Nein sie dachte nur angespannt, „Ich muss jetzt endlich einschlafen, sonst bin ich morgen früh nicht fit für die Schule!“

Doch plötzlich geschah etwas ganz Seltsames. Eine Sternschnuppe fiel vom Himmel direkt auf ihr offenes Fenster zu und landete auf Lenas Tisch. In diesem Moment wurde das Zimmer von einem glitzernden Licht erhellt und eine wohltuende Wärme breitete sich aus. Lena verspürte keine Angst, eine unbekannte Kraft verlieh ihr Mut und Neugierde was wohl weiter passieren würde. Eine sanfte Stimme sprach zu ihr, „Lena, was quält dich so, dass du nicht einschlafen kannst? Ich beobachte dich seit vielen Wochen und ich möchte dir helfen.“ Nachdem sich Lenas Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten, erblickte sie erstaunt eine kleine Fee, die leichtfüßig auf ihrer Bettdecke hüpfte. Das kleine Wesen war kaum größer als Lenas Kuscheltier, ohne das sie niemals ins Bett ging. Es schien fast durchsichtig und glitzerte bei jeder Bewegung im Licht der Sternschnuppe. Das Mädchen war beeindruckt von dieser Anmut und Schönheit und erzählte freiweg von seinen Problemen.

Die Fee unterbrach das Kind kein einziges Mal und hörte aufmerksam zu. Nachdem Lena ihre Erzählung beendet hatte lag ein kurzes Schweigen in dem Raum, denn die Fee ließ sich Zeit, bevor sie antwortete. Diese Ruhe empfand Lena sehr angenehm. Nach einer Weile sprach die Fee mit sanfter Stimme zu ihr, „Drei Dinge möchte ich dir auf deinen Weg mitgeben. Wenn du sie beherzigst, so werden sie dich sicher durch alle Stürme des Lebens führen.“ Sie sah dem Mädchen dabei freundlich in die Augen und meinte weiter, „Du bist wie eine Rosenknospe – anmutig und schön. In dir sind alle Fähigkeiten angelegt, die du für ein glückliches und erfülltes Leben brauchst. Du findest sie, wenn du nach ihnen suchst und dabei fest darauf vertraust, dass du es schaffst. Habe dabei Geduld mit dir selbst – auch die Rose blüht erst auf, wenn die richtige Zeit dafür gekommen ist!“

Lena wußte nicht so richtig, was sie von dem Gehörten halten sollte aber die Fee sprach schon weiter, „Sei dir bewußt, dass du stark genug bist, um alle Schwierigkeiten zu meistern, die dir das Leben stellen wird. Wie die Rose ihre Dornen einsetzt, kannst auch du dich wehren, wenn du es für nötig hältst!“ Ganz aufmerksam prägte sich Lena jedes Wort genau ein. „Gehe mit einem freundlichen Lächeln und Respekt auf die Menschen zu, die deinen Lebensweg kreuzen, so wirst du Hilfsbereitschaft sowie Toleranz ernten und niemals einsam sein. Die Rose ist das Symbol der Liebe . Du bist wie die Rose, solange du aus Liebe handelst!“

Diese Worte verklangen gerade, als das Licht in Lenas Zimmer verblasste und die Fee sich freundlich von Lena verabschiedete. Sie schwebte in Richtung Fenster und verschwand mit den Worten, „Versuche niemals Dinge zu ändern, die unabänderlich sind!“

Jetzt durchströmte eine friedliche Stille das Kinderzimmer und ließ Lena sofort in einen tiefen, entspannten Schlaf fallen. Als das Mädchen am nächsten Morgen erwachte, lag eine rote Rosenknospe auf ihrer Zudecke. Mit einem Lächeln im Gesicht stand Lena auf, besorgte eine geeignete Vase und stellte die Blume auf ihren Tisch. Voller Zuversicht und Lebenslust ging Lena seit diesem Tag ihren Weg und sie sorgte immer dafür, dass sie eine rote Rose in ihrer Nähe hatte, die sie an diese prägende Begegnung erinnerte.

von Cathrin Meißner

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